Stille
Mal wieder ist es ruhig im Momoblog... Das tut mir außerordentlich leid, doch momentan hatte/hab ich zuviel anderes zu tun (gehabt).
Die nächsten zwei Wochen kann man nochmal auf mehr 'Output von mir' = 'Input für euch'!
Diesbezüglich:

Wer sich dafür interessiert, ich denke momentan intensivst darüber nach, bereits im Oktober ein Fernstudium Informatik an der FernUni Hagen zu beginnen, das dann ein Semester zu machen und dann an die Uni Mainz zu wechseln, zum Sommersemester 2010. Dann wäre das Zeus-Problem erledigt. Momentan ist jedoch noch unklar, ob das BAZ mir auch für ein Vollzeitstudium Berufsförderung bewilligt, oder ob ich BAföG beantrage um dann zusätzlich weniger Lehrgangsgebühren an der FernUni zu haben...
Mal sehen was sich da tut!
Universitätsreform: Warum ich meinen Lehrstuhl räume
Ich las gerade folgenden Artikel aus der FAZ online: Universitätsreform: Warum ich meinen Lehrstuhl räume - Forschung und Lehre - Feuilleton - FAZ.NET.
Darin erklärt ein 54jähriger Universitätsprofessor, warum er seine Professur gekündigt hat, nämlich wegen der Hochschulreform (Wir erinnern uns: Bologna-Prozess, Bachelor/Master, und noch einiges mehr).
Der Artikel ist zwar ein wenig länger, aber ich finde es lohnt sich. Wer trotzdem keine Lust hat oder erst Lust kriegen will, ein paar der Kernaussagen zitiert (mehr zu kürzen fiel mir zu schwer, da hab ichs lieber gelassen):
Es war einmal eine Institution, die nannte man „Universität“. Da zogen viele junge Leute hin, um das zu genießen, was man die „akademische Freiheit“ nannte. Sie lasen Bücher, diskutierten und tranken Kaffee. Sie besuchten die Vorlesungen der Professoren oder auch nicht.
Theoretisch soll bereits der Bachelor-Abschluss berufsqualifizierend sein, faktisch ist er es in den meisten Fächern nicht [...]. In Deutschland genügt der dreijährige Bachelor nicht einmal, um Grundschullehrer zu werden.
Alles ist festgelegt, der Student weiß zu jeder Stunde, was er zu tun hat, [...]. Zu allen Veranstaltungen muss er sich anmelden, jeder Einzelne wird unter strengsten Bedingungen abgeprüft. [...] Vorlesungen sind als harter Frontalunterricht konzipiert und Seminare als Schulstunden.
Dieses System ist naturgemäß unflexibel. Da jedes einzelne Fach einen starren Studienplan entwirft, wird es schwierig, auch nur zwei Fächer nebeneinander zu studieren. [...] Da jede Universität für sich plant, fällt die konkrete Ausgestaltung der Module überall verschieden aus, so dass ein Wechsel von einer Universität an die andere erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht wird. Das widerspricht zwar den Zielen der Bologna-Erklärung, scheint die Planer aber nicht zu beeindrucken.
Laut den grundlegenden Dokumenten geht es mit dem neuen System um „Marketing-Strategien“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Rekrutierungsverfahren“ und „europaweite Rekrutierung von Hochschullehrern“; um das „Management der Hochschulen“ und die „Schaffung eines wissensbasierten Wirtschaftsraums“; um „Qualitätssicherung“, „Effizienz“ und die „passgenaue Konzeption des Studiums“; um „Synergien“ und „das Potential für Innovation und soziale und wirtschaftliche Entwicklung“.
An keiner einzigen Stelle geht es um den Geist, der nach Bildung verlangt. Nirgends ist davon die Rede, dass Wissen und Erkenntnis und Klugkeit Werte sind, die man um ihrer selbst willen erstrebt und liebt. [...] Materialismus und Utilitarismus. Studium ist Berufsausbildung, gelernt wird für einen bestimmten Zweck, Wissen muss sich auszahlen, alles andere ist schöngeistiger Humbug: Das ist die Philosophie, wir könnten auch sagen: die Dogmatik, die jetzt die Universitäten reguliert.
Forschung soll nur so weit gefördert werden, als sie praktisch auswertbare Resultate verspricht. Dann reduziert Wissenschaft sich auf die verstandesmäßige Objektivität des Lernbaren.
Statt der Hochschule, wie sie in ihrer geistigen Unruhe des ,sapere aude' (wage es, dich deines Verstandes zu bedienen) lebt, entsteht bloße Schule.Schon die Idee, es müsse ein wesentlicher Unterschied bestehen zwischen Schule und Hochschule, dürfte den Vertretern des neuen Systems grotesk vorkommen. Sie machen ja nicht einmal einen Unterschied zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, die alle über denselben Leisten der Modularisierung geschlagen werden. Den Grundsatz, dass die Methode einer Wissenschaft von ihrem Gegenstand abhängt, braucht man ihnen gar nicht erst zu erklären versuchen.
Denn Bildung ist zunächst einmal ein Selbstzweck; sie trägt ihren Lohn in sich. Die Aufgabe der Universität darf man nicht in bloßer Wissensvermittlung sehen. Denn diese führt zu einer Oberflächlichkeit, die ihre eigene Oberflächlichkeit nicht mehr erkennt.
Ziel der Universitätsausbildung auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern soll nicht mehr vorrangig die Ausbildung der geistigen und intellektuellen Fähigkeiten sein, sondern Indoktrination und das Eintrichtern von Wissen. Das geht natürlich nur bei gleichzeitiger Abschaffung der akademischen Freiheit. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht zwar etwas von Freiheit der Lehre (von Forschung wollen wir hier gar nicht reden), aber Juristen werden uns zweifellos beweisen, dass damit nicht das gemeint sein könne, was wir bisher hatten, und dass mit dem Restchen Freiheit, das den Professoren gelassen wird, dem Buchstaben des Gesetzes vollkommen Genüge getan sei.Die meisten Kollegen sind sich einig, dass hier [...] eine empfindliche Senkung des Niveaus erreicht wird und erreicht werden soll [...]. Und dennoch machen alle mit, nur die Juristen und Mediziner halten sich heraus und leisten zumindest hinhaltenden Widerstand.
Man unterwirft sich sogar der Kontrolle von „Akkreditierungsagenturen“, die die Rechtsform gemeinnütziger Vereine haben. Wie konnte es dazu kommen?
Ich kann nur empfehlen, den Artikel mal zu lesen. Hat mich ein wenig deprimiert... Wo ich mich so aufs Studieren freue, und eigentlich auch dieses Bild im Kopf habe, das Herr Reiser angibt, nämlich das von dem "Geist, der nach Bildung verlangt" und dass die "Bildung [...] ein Selbstzweck [ist]", also praktisch "Wissen, des Wissens wegen" denn so fühle ich mich, so denke ich ja auch darüber. Schade dass, wenn schon die Schule nicht in der Lage ist, einem die Möglichkeiten dazu zu bieten, das anscheinend auch die Universitäten in Zukunft immer weniger können.
