Momoblog "Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen." (A. Einstein)

21Dez/080

Zögern

01.12.2006

Leise ertönte ein Klopfen, mitten in die Stille des Zimmers hinein. Sanft vermischten sich die leisen Schläge mit ihren tiefen, stillen Atemzügen. Doch so tief wie sie schlief, konnten sie nicht bis in ihre Träume vordringen. Nichts bekam sie mit. Vergebens stand er vor der Tür und horchte, doch keine Antwort ertönte. Kein müdes Gähnen, nichts...

Verunsichert stand er da. Was sollte er tun? Einfach hinein gehen? Oder wieder gehen? In seinem Kopf  fand ein unermüdlicher Kampf zwischen Pro und Contra, Gut und Böse, Engelchen und Teufelchen statt. Er biss sich auf die Zunge. Der Schmerz holte seine Gedanken zurück. Zurück in den kalten Gang, zurück zur Tür, die vor ihm lag.

Und plötzlich packte ihn der Drang zu gehen, einfach so zu tun, als sei er nie hier gewesen. Zu sagen, er habe es vergessen und einfach wieder zurück zu gehen.

Doch nun stand er hier. So weit war er schon gekommen. Konnte er jetzt aufgeben? War es nicht unfair, dem Schicksal gegenüber, jetzt einfach aufzugeben? Freiwillig das Glück, das ihm bevorstand abzulehnen?

Nein, sagte er sich. Nein, ich gebe nicht auf! Ich werde zu ihr gehen. Jetzt. Hier. Und er ergriff den Türgriff und drückte ihn langsam herunter, schob die Tür auf, betrat das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

Dann sah er sich um. Es war genauso dunkel wie vor der Tür, er konnte gerade so Konturen erkennen. Doch er hörte ihr leises, tiefes Atmen und wusste, sie lag in ihrem Bett und schlief. Vorsichtig, um ja kein lautes Geräusch zu machen schlich er in die Mitte des Zimmers und blieb stehen.

Mondlicht fiel durch das Fenster, zwar nur ganz schwach, jedoch gerade genug, dass er ihr Gesicht sehen konnte. Im fahlen Licht sah er ihre Augenhöhlen, ihre kleine spitze Nase und ihre Lippen.

Ihre Lippen! Diese wunderschönen, rosaroten Lippen. Wie oft hatte er sich schon vorgestellt, diese Lippen zu berühren, sie zu küssen. Er schüttelte sich. Er musste sich das nicht vorstellen. Entweder es würde heute Nacht passieren, oder er könnte aufhören es sich vorzustellen, sagte er sich. Doch in seinem Kopf ließ die Vorstellung nicht locker. Immer näher kam ihr leicht geöffneter Mund dem seinen und er spürte, wie ihre feinen Flaumhärchen an seiner Oberlippe kitzelten. Er musste die Augen schließen, er hätte es sonst nicht ausgehalten. Wie sich die Lippen langsam berührten und plötzlich tausende Tastnerven anfingen Silvester zu feiern und ein wahres Feuerwerk auf seiner Lippe abfeuerten. Seine Hände begannen zu zittern. Ihr Mund berührte seinen ganz sanft, aber trotzdem komplett und  unvorstellbar intensiv.

Ein Gähnen riss ihn aus seinen Träumen. Plötzlich befand er sich wieder in seinem Körper und wusste wieder wer er war und wo er war. Er sah sie immer noch an. Und sie bewegte sich. Sie streckte sich und hatte die Augen leicht geöffnet.

„Hi.", hauchte sie und flüsternd antwortete er: „Hi.".

Mit schläfrigen, geöffneten Augen sah sie noch hübscher aus als mit geschlossenen. Er zog seine Jacke aus und legte sie über eine Stuhllehne.

„Na, hast du gut geschlafen?", fragte er sie mit eine leichten Grinsen und setzte sich an ihre Bettkante, dicht neben ihren Körper, der irgendwo unter der Bettdecke versteckt lag.

„Bis jetzt ja.", entgegnete sie lächelnd, schloss die Augen und legte den Kopf schräg auf ihr Kopfkissen.

Langsam hob er seine Hand und streichelte vorsichtig über ihren Kopf. Strich ihr die Haare aus dem Gesicht. Sie lächelte zufrieden und glücklich.

1Dez/082

Einsamkeit/Masken – Für Thea

05.11.2006

Prasselnd fiel der Regen vor ihrem Fenster auf den Boden. Ins Dunkle. Das Fenster stand offen. Kalte Luft zog herein. Doch nichts, dachte sie, nichts konnte kälter sein als ihr Herz. Gefühllos starrte sie in die fernen grauen Wolkenschwaden und sie dachte nichts, und sie fühlte nichts.

Weit, weit entfernt von allen anderen Menschen fühlte sie sich. Auch wenn ihr andere Menschen redend und lachend begegneten, spürte sie nichts, nichts, außer der eigenen Unfähigkeit, andere Menschen zu lieben. Das war nicht immer so. Früher, damals, als sie noch ihre Familie und ihre Mutter hatte, da liebte sie. Und wurde geliebt.

Und nun war sie weit, weit entfernt von allen, die sie jemals liebte und die sie jemals liebten. Sie sehnte sich danach, von der Schule heimzukommen, ein leckeres Mittagessen von ihrer Mutter gekocht zu bekommen, gefragt zu werden, ob sie Hausaufgaben aufhätte und was sie sonst noch tun möchte. Sie sehnte sich danach, sich mit ihrem Bruder zu streiten, so wie es Geschwister untereinander tun, aus Liebe. Und sie sehnte sich nach der tiefen, vertrauten, freundlichen Stimme ihres Vaters, der immer für sie da gewesen war, wenn sie Sorgen hatte. Aber sie sehnte sich auch nach ihren Freunden. Denn auch Freunde lieben sich. Mal mehr, mal weniger.

Und hier war niemand, der sie fragte ob sie mit ihren Hausaufgaben alleine fertig wurde, hier war niemand der sie fragte, wie es ihr ginge, niemand der sie einfach so ohne einen großen Grund zu haben, in den Arm nähme.

Sie spürte ein kaltes Kribbeln auf ihrer Wange und wusste, dass es eine Träne sein musste. Doch in ihrer Emotionslosigkeit brachte sie es nicht fertig, mehr zu weinen. Die eine Träne blieb allein, fiel aufs Fensterbrett und wurde bald von einem Regentropfen mitgenommen.

Was sie nicht wusste, war, dass das nicht stimmte. Da war jemand, der sie liebte. Jemand dem es genauso ging, der sich auch danach sehnte, lieben zu dürfen und geliebt zu werden, so wie sie. Auch er wusste nicht, dass es ihr so erging wie ihm.

Beide konnten ihre wahren Gefühle nicht zeigen. Unter anderen Menschen waren sie immer fröhlich und niemand wäre auf die Idee gekommen, dass es den Beiden hinter ihrer Fassade so schlecht ging. Dabei war es noch nicht mal eine Fassade. Es war vielmehr ein anderes Ich. Eines, das besser geeignet war, um es den Menschen zu zeigen und mit ihnen zu leben. Diese Traurigkeit, die spürten sie nur, wenn sie richtig allein waren. Nachts, in ihren Betten, eingekuschelt in eine warme Bettdecke, die doch nicht die Wärme eines Menschen ersetzen konnte.

Doch leider, wusste sie nicht von ihm. Denn er kannte nur ihr fröhliches Ich und war unfähig zu glauben, dass es ihr so miserabel gehen könne. Er traute sich nicht, sie mit seiner Sehnsucht zu belästigen.
Hätte er es doch getan! Hätte er doch versucht hinter ihre Fassade zu schauen, hätte er seine Angst überwunden und wäre auf sie zugegangen. Dann hätten sie beide erfahren, dass sie nicht allein sind. Dann hätten sie sich lieben können. Nein, dann hätten sie sich geliebt. Und sie hätten ihre Sehnsucht begraben können, tief im Herzen des Anderen.
Doch leider, leider haben sie sich nie getroffen. Obwohl sie so nah beieinander waren, haben sie nie den Menschen unter der Fassade des Anderen kennen gelernt. Und so blieben sie ungeliebt. Ohne Liebe lebten sie ihr gefühlsloses Leben weiter.

25Nov/080

A Lovely’s Winter Tale

17.12.2005

Als er aus der Tür trat, kam ihm ein Schwall Schneeflocken entgegen. Es schneite schon den ganzen Tag. Auf der Treppe war der ganze Schnee schon zertreten und matschig braun, aber auf dem Rasen lag er noch schön als geschlossene Decke. An einigen Stellen ragten Grashalme trotzig aus dem Schnee heraus.
Unter einem der Bäume stand sie, ihren wunderschönen Körper mit einem schwarzen Mantel bedeckt. Ihre langen blonden Haare, die unter der roten Mütze hervor schauten, waren nass und zerzaust. Überall auf ihr lagen vereinzelt Schneeflocken herum.
Er ging zu ihr und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Dann hakte sie sich beim ihm ein und sie gingen langsam in Richtung Park. Es war recht kalt und so schmiegte sie sich eng an ihn. Ihr beider Atem stieg als weißer Rauch durch das Schneegestöber zum Himmel.
Auf der großen Wiese lag der Schnee noch in unberührter Schönheit und auch die Bäume waren weiß. An der einzelnen Tanne, die zwischen Birken und Kiefern stand, hing eine Lichterkette und tauchte den Boden ringsum in ein majestätisches Leuchten.
"Ich liebe Schnee!", sagte sie fröhlich. Er blieb stehen, bückte sich, schob mit den Händen ein wenig Schnee zusammen, formte daraus einen Schneeball und warf in zwischen seinen Beinen hindurch auf sie. Sie reagierte blitzschnell, indem sie sich nach links beugte und so flog der Schneeball in die Büsche. Während er noch das Gebüsch betrachtete, in dem der Schnee jetzt aufgerüttelt war und empört zu Boden schwebte, hatte sie eine Handvoll Schnee genommen und diese drückte sie ihm jetzt mitten ins Gesicht. Mit aller Kraft hielt sie ihm ihren vereisten Handschuh ins Gesicht und verteilte den kalten Schnee überall.
Es war kalt und nass. Er schüttelte sich und wischte sich den Schnee aus dem Gesicht. Als er sich auch den Schnee von den Augenlidern gewischt hatte, macht er die Augen wieder auf und blickte direkt in ihre. Sie stand ganz nah bei ihm und hauchte ihm zärtlich warme Luft ins Gesicht. Sie küssten sich lange. So lange bis ihm wieder warm war.
Sie hakte sich wieder ein und sie gingen weiter. Sie redeten über ihr letztes Weihnachten. Mit dem Gedanken an frisch gebackene Plätzchen und heißen Tee kamen sie zurück in sein Zimmer. Im Vergleich zu draußen kam es ihr fast wie in der Sauna vor, sie ging zum Fenster und stellte sich nah an die heiße Heizung. Vor dem Fenster fiel immer mehr Schnee zu Boden. Er hatte währenddessen heißes Wasser geholt und Tee gemacht. Dann zogen sie ihre nassen Jacken, Mützen und Schuhe aus und kuschelten sich auf dem Bett eng aneinander.
Mit der Zeit wurden seine Finger wieder warm und er fing an, ihr den Rücken zu streicheln. Sie fuhr mit ihrer Hand durch seine Haare. Wieder küssten sie sich. Er strich mit seiner Zunge sanft über ihre Wange und ihr Ohrläppchen. Von dieser intensiven, kitzelnden Berührung musste sie unfreiwillig kichern. Er ließ sich davon nicht irritierend und machte weiter. Er ließ seine Zunge auch an ihrem Hals entlang streichen.
Das Kribbeln, das er damit in ihr auslöste war so stark, sie konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie erschauerte, als dieses unglaubliche Gefühl ihren Hals entlang zum Ohr wanderte. Mit ihrem Arm, der auf ihren Schultern lag zog sie ihn noch enger an sich.
Er hörte, wie ihr Atem schneller wurde und hörte kurz auf, mit seiner Zunge ihr Ohr zu bearbeiten. Er schaute sie an und sah, wie in ihrem wunderschönen Gesicht eine einzelne Träne herum rollte. "Was ist denn? Gefällt's dir nich?", fragte er sie, doch sie schüttelte den Kopf und sah ihn an. "Es ist nur so unglaublich schön, hör bitte nie mehr auf!", flüsterte sie. "Und außerdem ist mir grade klar geworden, wie sehr ich dich liebe!"
Vor dem Fenster konnte man wegen des vielen Schnees fast nichts mehr sehen.

24Nov/081

Kissing in the Rain

13.12.2005

Plötzlich hörte sie eine Stimme hinter sich. Sie drehte sich um und sah ihn hinter sich stehen. Auf einmal war sie wie gefesselt von seinem Anblick. Seine Haare waren durchnässt und von den einzelnen Strähnen an seiner Wange perlten Wassertropfen herunter.
Sie sah ihm in die Augen. Sie waren tiefblau, wie das Meer.
Er spürte ihren Blick auf seinem Gesicht. Jedoch schaute er weg. Er konnte sie nicht ansehen. Sie war so wunderschön. So unerreichbar für ihn. Wahrscheinlich machte sie sich in Gedanken gerade über ihn lustig.
Und doch standen sie so da und schauten sich an. Die Zeit floss an ihnen vorbei wie der Regen, der in unablässigen Strömen vom Himmel fiel.
Sie standen einfach nur da und schauten sich in die Augen.
Da sah sie eine Träne auf seiner Wange entlang rollen. Sie floss langsam an der Nase entlang und blieb an der Nasenspitze hängen. Der nächste Regentropfen nahm sie mit zu Boden. Er schniefte und wischte sich mit dem Handrücken über sein Gesicht.
Mittlerweile waren sie beide durchnässt bis auf die Knochen. Sie trat einen Schritt näher zu ihm. Sie konnte die kleinen blonden Bartstoppeln an seinem Kinn sehen. Sie machte noch einen kleinen Schritt.
Sie war so nah, er konnte sie riechen. Sie roch wunderbar und unbeschreiblich: süß und blumig, aber nicht kitschig; intensiv, aber nicht aufdringlich. Er spürte ein Kribbeln, das langsam von seinem Bauch aus immer höher stieg. Er verstand es nicht. Warum kam sie so nah zu ihm?
Seine Lippen sahen rau aus. Aber trotzdem waren sie wunderschön. Vorsichtig strich sie mit ihrer Zungenspitze über ihre eigenen, die tropfnass vom Regen waren.
Er öffnete den Mund, wusste jedoch nicht, was er sagen sollte:
"Ich ...".
Sie legte ihren Zeigefinger auf ihre Lippen und kam mit ihrem Kopf noch näher an ihn heran. Er war größer als sie, also musste er seinen Kopf nach unten beugen um ihr weiterhin in die Augen sehen zu können. Ihre Arme schlangen sich um seinen Körper und drückten ihn ganz leicht an sie. Sein nasser Pullover wurde enger an ihn gepresst, aber das merkte er nicht.
Wie aus einem Instinkt heraus legte auch er seine Arme um ihre Taille und zog sie noch etwas enger an sich. Ihr rascher, warmer Atem stieg in kleinen Dampfwölkchen an seinem Gesicht vorbei. Er konnte ihre Brüste an seinem Bauch fühlen.
Es war ein wundervolles Gefühl, eng umschlungen im Regen zu stehen.
Sie öffnete ihren Mund ein wenig, als sie feststellte, dass sein Gesicht ihrem immer näher kam. Sie spürte seinen heißen Atem an ihrer Wange.
Ihre Lippen berührten sich. Zuerst nur ganz leicht, wie ein Haar, das einem im Gesicht hängt. Dann drückten sie ihre Lippen etwas fester aufeinander. Ihre Zungen berührten sich.
Sie schmeckte nach Erdbeere, er nach Pfefferminz.
Der Regen prasselte erbarmungslos weiter auf ihre Köpfe.

23Nov/080

Robert Frost: The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I -
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

   
SEO Powered by Platinum SEO from Techblissonline