Liegt das Problem der mangelnden Partyfähigkeit vielleicht am Niveau?
Liegt es vielleicht daran, dass es so scheint, als könne man exzessiven Alkoholgenuss und gehobenes Niveau nicht miteinander verbinden??? Wenn das so ist, also dagegen möchte ich protestieren! Es ist ja wohl ein einfacher Fakt, dass viele große Denker durchaus dem Alkoholgenuß fröhnten… Goethe, der jeden Tag eine oder zwei Flaschen Wein trank, eine ganze Generation von Dichtern die sich mit Absinth Inspiration zu holen suchten usw… Und ich, der hier bereits mit Finger-Koordinationsschwierigkeiten einen philosophischen Text verfasst.

Können wir uns nicht einfach mal gehen lassen, weil wir Angst haben, dabei unser Niveau zu verlieren? Bloß weil es so viele “negative Beispiele” gibt, von Leuten die betrunken rumgrölen, Schlägereien anfangen oder so…
Ich persönlich halte zum Beispiel das Trinken von Rotwein, einfach nur aufgrund der Art des Getränks, aus Gläsern für sehr stil- und niveauvoll, und dabei können sehr lustige Stimmungen erzeugen in denen Leute sehr lustige Ideen haben…
Natürlich trägt das Umfeld auch entschieden dazu bei… Man kann sich nur gehen lassen und sein abendliches Schicksal dem Alkohol überlassen, wenn man sich in guter Gesellschaft fühlt. Unter Freunden, unter Leuten, von denen man weiß, die helfen einem, falls man übertreibt, die machen sich nicht lustig, sondern mit. Und man will natürlich unter Leuten sein, mit denen einen etwas verbindet, mit denen man sich identifizieren kann, für das Sein in deren Anwesenheit man sich selbst rechtfertigen kann…
Aber wenn diese Vorraussetzungen erfüllt sind, dann sollte man doch die Freiheit besitzen, zu sagen: Ich trinke jetz Alkohol. Weil ich weiß, dass mir der veränderte Geisteszustand in dieser Situation eher Spaß als Leid bringen könnte.
Ich möchte jetzt auf keinen Fall eine Lobrede auf Alkohol halten! Es ist ja wohl klar, dass Alkohol durchaus als Droge und Suchtmittel gesehen werden kann, und dass man ihn auf jeden Fall in Maßen genießen soll! Und das Autofahren danach Tabu ist, logisch! Aber ich möchte ihn auch nicht verteufeln… In Maßen kann er durchaus jede Party, jedes Date und jede Situation aufpeppen, indem er die Denk- und Sichtweise verändert und einen auf neue Gedanken bringt, die Hemmschwelle senkt und einen gewisse Sorgen wenigstens temporär vergessen lässt…
Aber vielleicht liegt die ganze Tragik des Problems auch darin, dass es schwierig ist, glaubwürdig zu bleiben, wenn man im “Normalzustand” ein gewisses Niveau hält und dann auf Partys unter Alkohol einen dermaßen Niveauabsturz erleidet, dass das jedem Beobachter merkwürdig vorkommen muss, und darunter eben die Authentizität, die Glaubwürdigkeit, leidet…
Wie auch immer…
Ich halte mich diesbezüglich doch gerne an den alten Goethe… Wenn der trinken konnte wie ein Loch und trotzdem intelligent und kunstvoll schwafeln und schreiben konnte, warum sollten wir das nicht können?
In diesem Sinne: Prost!
Also… Das ist natürlich auch ein Grund, das mag sein. Ist ja jedermanns Sache, natürlich. “Jedem das Seine.”, nicht wahr.
Trotz gestern abend.
Ich finde, man kann ja allem eine guten und schlechten Seiten abgewinnen… Es ist eine Gratwanderung! Definitiv. Und ich rede ja auch nicht unbedingt vom “sich so richtig die Kante geben”, aber schon in die Richtung, also genau die Menge Alkohol zu konsumieren, die bei größtmöglichster Bewusstseinsveränderung die kleinstmöglichsten Spätfolgen hat. Und ich denke, bisher hab ich das oftmals recht gut hingekriegt. Also heute zum Beispiel gehts mir gut
Und vielleicht ist es wichtig, dass man manchmal den Denkapparat der einen vor den Spätfolgen warnt ausschaltet bzw. ignoriert… Denn ich glaube, immer so bedacht an etwas heranzugehen, hindert einen daran, Neues zu entdecken, nur weil man sich vor etwaigen Risiken scheut. In dem Buch das ich letztens gelesen hab “Next” von Michael Crichton, kam drin vor, dass die Neandertaler unter anderem ausgestorben sind, weil sie zu konservativ waren. Sie konnten sich nicht gut anpassen und weiterentwickeln, waren nicht experimentierfreudig genug, und deshalb konnten sie sich in der, sich beständig verändernden, Welt nicht durchsetzen. Hab ich gelesen.
Und ganz nebenbei: Ich finde, wenn man dann irgendwo gepennt hat und fährt morgens heim, das ist ein besonderes Gefühl. Man is ja dann manchmal nicht ganz nüchtern… Aber es fühlt sich anders an. Ich mag das. Es is ja dann morgens meistens nicht viel los, und man fährt ja auch nicht wie ein Henker, deshalb dürfte sich das Gefahrenpotenzial dessen in Grenzen halten. Aber Spaß macht es – auf jeden Fall.
Ich für meinen Teil betrinken mich nicht deshalb nicht, weil ich eine inverse Korrelation zwischen Alkoholkonsum und Niveau vermute, insbesondere beim angesprochenen Wein nicht! Viel mehr hatte ich bisher einfach noch nicht das VERLANGEN, mir mal so richtig die Kante zu geben und der Preis, die oft unangenehmen “Spätfolgen” am nächsten Tag, erschien mir unverhältnismäßig hoch.
Würde mich mal interessiern, ob es anderen (zumindest ab und zu) ähnlich geht!