Meine Meinung zum Amoklauf [Updated]
Wie ja inzwischen bekannt sein dürfte, hat Tim K., der Amokläufer von Winnenden seine Tat vorher nicht im Internet angekündigt! Es handelt sich dabei um einen Fake-Screenshot, der von einem Düsseldorfer erstellt wurde, den Nils im IRC interviewt hat. (Das ist Journalismus! Danke Nils!) Durchaus Lesenswert!
Update: Über Tim erreichte mich grade ein interessanter/lustiger/trauriger Blogeintrag von Hanno Zulla aus Hamburg: Guten Abend, meine Damen und Herren, Sie sehen die Abendnachrichten. Besonders lesenswert ist der (einzige) Kommentar und die Links darin.
Was wollte ich sonst noch dazu loswerden?
Achso, ja, natürlich hat der Amokläufer "Killerspiele" auf seinem Rechner gehabt, berichtete die Presse vergangene Woche. Nun, das freut mich aber jetzt für all die ahnungslosen Politiker und Meinungsmacher, dass sie damit wieder mal die bösen Computerspiele haben, die Schuld sein können. Die Tatsache, dass Tim K.s Tat bestimmt keine ausschließliche Reaktion auf unreifen, übermäßigen Genuss von First-Person-Shootern (wie "Killerspiele" im Fachjargon heißen) kann man dabei ja unter den Tisch kehren, weil dann würde es ja kompliziert werden. (siehe hier bei heise)
Vereinzelte Medien versuchen zu bemerken, dass zwar bisher (fast) jeder Amokläufer solche Spiele gespielt hat, aber noch lange nicht jeder Counter-Strike-Spieler ein Amokläufer ist! ("Killerspiele schuld an Amoklauf?" - Pro-Kontra-Argumentation der taz). Immerhin hat praktisch jeder meiner gleichaltrigen Bekannten (mich eingeschlossen) Counter-Strike und/oder weitere Spiele dieser Gattung auf seinem Rechner und obwohl die Phase, in der das Spiel exzessiv bei LAN-Party gezockt wurde vorbei ist, hat man ab und zu einfach nochmal Lust darauf und rettet ein paar Geiseln oder entschärft Bomben.
Die wirkliche Ursache für Tim K.s "Verzweiflungstat" liegt wohl eher in unserer Gesellschaft. Enbert Alstein schreibt als Kommentar zum taz-Artikel:
"Ursachen sind hier: Soziale Kälte (schon in den Familien, bis hin zu den Prinzipien im Beruf (Konkurrenzkampf), die auch an den Schulen und im sonstigen Leben, schon von Kindern und Jugendlichen schon als "heimliche Lehrpläne" präsent sind. Die Faktoren sind interdependent."
Und dem kann ich nur zustimmen, manchmal geht es mir so ähnlich. Dann überlege ich über meine Zukunft: Beruf, Leben, Kinder, ... und muss entsetzt feststellen, dass ich wirklich keine Lust habe, in einer solchen Welt, wie sie heutzutage aussieht zu leben und Kinder groß zu ziehen! Mit einem Beruf, für den ich meine Prinzipien verraten muss, und dann in einem sozialen Familienunternehmeneiner globalen Aktiengesellschaft indirekt die asoziale Martkwirtschaft unterstütze und meine Kinder von PädagogenLeuten unterrichtet werden, die ihren Beruf aus Verzweiflung ergriffen haben und mit Kindern gar nicht klar kommen. Diese Vorstellung ängstigt mich und ich hoffe einfach, dass sich einerseits Dinge ändern werden und ich vielleicht die Möglichkeiten sehe, die Welt wenigstens für mich erträglich zu machen.
Ich frage mich, wie lange es dauert, bis die PolitikerLeute die am Drücker sitzen erkennen, dass die Ursache für all die Dinge wie Amokläufe oder bespitzelnde, überbezahlte Manager oder ähnliches nicht in einer materiellen Ursache wie Computerspielen liegen, sondern in grundsätzlichen "Charakterzügen" unserer heutigen Gesellschaft. Natürlich ist es wesentlich schwieriger dort etwas zu ändern, aber es ist die einzige Lösung aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Jeder einzelne muss sich überlegen, in wie weit sein Verhalten Ausdruck einer falschen/schlechten gesellschaftlichen Norm ist, und versuchen sich dagegen zu verhalten. Wenn das jeder mit der entsprechenden Selbstreflexion tun würde, wäre unsere Welt bestimmt ein großes Stück freundlicher und angenehmer. Aber so lange nur vereinzelte Denker so Denken und etwas an ihrem Verhalten ändern, und das keine Kreise ziehen kann, wird sich wenig ändern.

März 20th, 2009
So traurig wie das iss, solche Ereignisse sind für die Medien ein gutes Geschäft, da wird sich in Zukunft auch nix ändern.
Das es da manche wegen der Auflagensteigerung nicht ganz an die Wahrheit halten gehört leider auch zu deren Alltagsgeschäft.
Sensationsmeldungen verkaufen sich halt neben Sex am besten.
März 18th, 2009
Zum Qualitätsjournalismus:
Letzte war auf irgendeinem Online-Portal (weiß nicht mehr, ob Spiegel Online, Süddeutsche oder ARD, eins davon war’s) zu lesen, der Vater sei Diplom-Mathematiker und fahre Porsche. Im aktuellen Spiegel erfährt man, dass der Vater gelernter Dekorateur ist und einen Mercedes besitzt. Ich weiß ja, dass es nebensächlich ist, aber sowas stärkt halt den Verdacht, dass Redaktionen sich im Interesse der Auflage einfach Tatsachen (in diesem Fall Lebensumstände der Familie) aus den Fingern saugen…
März 16th, 2009
Das Gewaltspiele, in denen auf Menschen geschossen wird die Hemmschwelle
heruntersetzen kann, dies auch in der Realität zu tun halte ich für unbestritten.
Nur, das es dann ein junger Mensch auch wirklich tut, in dem Wissen, das er damit auch seinem Leben ein Ende setzt, dafür brauch es schon einiges mehr.
Ein wichtiges Kriterium dazu ist eine große Verzweiflung, evtl. jahrelange schwere Kränkungen und im sozialen Umfeld niemand, mit dem der betroffene über seine seelischen Probleme reden kann.
Dann brauchs auch noch einen Zugang zu Schußwaffen, was ich für alles andere als selbstverständlich halte, im aktuellen Fall halt erschreckend einfach war für den Tim.
Bei ihm kam wohl auch eine schwere Persönlichkeitsstörung mit Deppressionen dazu, die psychiatrisch behandelt wurden.
Für mich also das Fazit: es brauch viele einzelne Kriterien, die sich zu einem ganzen zusammen fügen müßen, das so eine Tat letztendlich geschieht, zum Glück eher selten, aber vermeiden lassen wird es sich
nicht, wenn ein Puzzle sich so zusammenfügt und der betreffende eine Waffe hat und den Entschluß fest gefasst hat, wird er es auch tun.
Ich glaube auch, das es schon immer solche Menschen gab, bis vor 200 Jahren hatten sie halt keine Schußwaffen und fast jeder Mann war irgendwie bewaffnet, da kamen die nicht weit und haben die Gurgel durchgeschnitten bekommen, bevor sie größere Menschenmengen metzeln konnten. Aber irgendwo kommt ja auch der Begriff her :”Er hat gewütet wie ein Berserker”, vielleicht findet sich da ja der Ursprung von Amokläufern.
Was für mich als Frage bleibt, warum muß so ein Verzweifelter unbedingt
so viele Unschuldige mit in den Tod reißen. Es steht ja jedem frei sich
selbst zu richten, wenn man lebensmüde ist und selbst ein Selbstmordattentäter hat in der Regel höhere Ziele, die er mit seiner Tat verfolgt, hier sehe ich nix, kein Motiv, nix religiöses o.ä., reine Willkür
und dumpfe Aggression, das iss schon hart und wohl rational nicht erklärbar. Alles sehr tragisch und schmerzhaft.
Ich hoffe das der Vater ausreichend in die Verantwortung genommen wird und kann auch die Eltern nicht verstehen, da muß eine große Entfremdung passiert sein, das sie keine Vorzeichen seiner Verzweiflung wahrgenommen haben.
Der Rest iss Schweigen und Trauer.
März 16th, 2009
Ich glaube nicht, dass sich Amokläufe ganz vermeiden lassen, in keiner Gesellschaftsform und in keinem Zeitalter. Die sogenannten “Verlierer einer Gesellschaft”, Ausweglosigkeit, Waffen und Aggression gab es schon immer, in der DDR hat einer vergleichbaren Tat vielleicht nur die Überwachung einen Riegel vorgeschoben. Mich würde interessieren, ob es ähnliche Geschehnisse nicht schon in der Antike oder im Mittelalter gab (habe leider keine Belege).
Die Amoklauf ist ohne Zweifel eine Tragödie, das möchte ich nicht verharmlosen.