Die Zukunft: Licht
Eine sehr interessante Zukunftsvision habe ich grade auf Telepolis gesehen. Ist eine Kurzgeschichte (~10 Minuten) und ich fand sie sowohl spannend als auch zum Nachdenken anregend.
Ein kleiner Auszug:
[...]
Seit drei Jahren arbeiteten wir nun unermüdlich Tag und Nacht, wie man auf der Erde dazu sagt. Hier oben gibt es ja nur den ewigen Tag – oder die ewige Nacht, je nachdem wie die Psyche des Betreffenden gestrickt war. Es war ein gigantisches Projekt, an dem mehrere Nationen und einige der größten Weltkonzerne beteiligt waren. Und wie so viele andere Projekte hatte auch dieses zwei Seiten – die offizielle und die geheime. Vor den Augen der Öffentlichkeit waren wir dabei, ein ganzes Feld von Solarsatelliten zu installieren, um den Sonnenstrom ohne große Übertragungsverluste direkt aus dem All zu jeder entsprechend eingestellten Mikrowellen-Empfangsantenne zu senden. Damit befanden wir uns natürlich in direkter Konkurrenz zu dem Desertec-Projekt, an dem sich inzwischen fast alle Mittelmeer-Anrainer beteiligten. Und natürlich hatte es anfangs großen Lärm deswegen gegeben. Andererseits lieferten die Wüstenkraftwerke ihren Strom nur in die Netze der Installationsländer sowie nach Europa, und selbst dort konnte der Bedarf damit nicht komplett gedeckt werden.
Scheich Ali und sein Konsortium würde den Strom der Solarsatelliten jedoch an jedes Land der Erde liefern, das in der Lage war, die Kosten eines Quadratkilometer großen Feldes von Empfangsantennen zu zahlen – und natürlich die monatliche Stromrechnung! Nach einem Gespräch mit meiner Frau, das sich bis in die frühen Morgenstunden erstreckte, hatte ich meinem Boss zugesagt, auch sein zweites Projekt zu leiten. Bis auf wenige Besuche auf dem Mond verbrachte ich die ganze Zeit auf unseren Stationen, die wir schon ganz zu Anfang an den Lagrange-Punkten verankert hatten. Natürlich trainierte ich auch fleißig in den Zentrifugen, um dem Muskel- und Knochenschwund entgegenzuwirken, doch allmählich bekam ich Sehnsucht nach der Erde, nach offenen, weiten Flächen, nach dem Gluckern eines Baches oder dem Zwitschern von Vögeln, das nicht vom Band kam. Bei dem fast schon unanständig hohen Gehalt, das sich Monat für Monat auf mein Konto ergoss, hatte ich jedoch keinerlei Befürchtungen, auch noch die übrige Zeit problemlos zu überstehen.
Auf der Erde machte der Bau der Empfangsstationen ebenfalls große Fortschritte. Die meisten befanden sich auf terrassierten Bergen oder in ehemaligen landwirtschaftlichen Gebieten mit guter Anbindung an die Verbrauchszentren. Spätestens in zwei Jahren würde das Projekt damit beginnen, die Erde mit sauberem Solarstrom aus dem All zu versorgen. Zu diesem Zeitpunkt würde allerdings noch etwas anderes geschehen, von dem bislang kaum jemand etwas ahnte. Auch ich selbst versuchte so wenig wie möglich daran zu denken, um mich nachts nicht schlaflos in meiner Null-G Koje hin und her zu wälzen. Ich versuchte mein Gewissen mit der Argumentation zu besänftigen, dass der verdeckte Teil unseres Projektes schließlich dazu dienen würde, jegliche Kriege ein für allemal zu beenden. Natürlich machte ich mir damit etwas vor, aber wenn nicht wir das Projekt realisiert hätten, dann hätte es früher oder später jemand anderes gemacht. Darauf läuft es doch immer hinaus...
"Und Sie glauben, dass wir damit durchkommen?"
"Natürlich werden wir damit durchkommen! Schließlich halten wir alle Trümpfe in der Hand. Die einzigen Staaten mit weitreichenden Raketen, die uns möglicherweise gefährlich werden könnten, spielen in unserem Team mit. Die anderen werden also bald erkennen, dass sie keine Chance haben, als unseren Forderungen zu entsprechen... und zu zahlen."
Ich muss zugeben, dass mich der technologische Aspekt des Projektes von Scheich Ali überaus faszinierte. Natürlich war es nicht fair gegenüber den kleineren Staaten unseres Planeten, doch unser Projekt würde letztlich ja auch Ihnen zugute kommen, indem es die Gefahr künftiger Klima-Katastrophen drastisch reduzierte. Dass auch die Desertec-Länder ihre Kohle an uns abdrücken müssten, war nur der Zuckerguss auf dem Kuchen. Und glauben Sie mir, der Kuchen war gewaltig!
[...]

August 31st, 2009
Wie gesagt handelt es sich um einen persönlichen Standpunkt, den ich mir mit der Zeit gebildet habe – und nicht um recherchierte Expertenmeinungen.
Es muss also nichts so kommen wie beschrieben, aber die echten “Zukunftsexperten” lagen in der Vergangenheit ja auch nicht immer richtig.
Die Kondratiew-Zyklen haben wir mal im Erdkunde-LK behandelt, damals ist mir die Ähnlichkeit zu meine “Theorien” aufgefallen.
August 31st, 2009
Sehr gut recherchiert, Sebastian!
Du hälst also die Kondratjew-Zyklen durchaus für ein benutzbares Modell? Im Wikipedia-Artikel wird deren wissenschaftliche Bedeutung ja eher runtergemacht.
August 29th, 2009
Also Zukunftsszenarien finde ich ja grundsätzlich spannend. Erschreckend an dieser Variante ist ja, wie die Welt erst in eine gefährliche (Energie-)Abhängigkeit gelockt und darauf dann über die Abrechnung von „Sonnenscheinstunden“ ausgebeutet wird.
Meiner Auffassung gibt es folgende drei Szenarien, wie man der Energieknappheit und dem Klimawandel in den kommenden einhundert oder zweihundert Jahren begegnen wird (wobei auch mehrere Szenarien zeitlich aufeinander folgen könnten):
1.) Energieeffizienz:
a. Ausbau erneuerbarer Energien und damit geringere Abhängigkeit
von fossilen Brennstoffträgern
b. Entwicklung sparsamer Verbraucher (Umstellung des
Straßenverkehrs auf Elektroantrieb, …)
c. Intelligente Verteilung, Speicherung und Nutzung von Energie im
Stromnetz, da die Abschaffung von Großkraftwerken (Kernkraft,
Kohle) die Energieerzeugung dezentralisiert, Wind- und Solarkraft
Energie nicht immer „regional und zeitlich passend“ zur Verfügung
stellen und ein Großteil der heute als Grundlast erzeugten Energie
nachts „verpufft“. Ich habe z.B. mal von einem Konzept gehört,
welches die Nutzung der o.g. Elektroautos als Energiespeicher
vorsieht.
2.) Kontrollierte Kernfusion (und damit womöglich Energie im Überfluss)
3.) Kriege, Umweltkatastrophen und andere Schreckensszenarien, da die Welt ihr Energie- und Umweltproblem nicht in den Griff bekommt
Der Artikel über Kondratjew-Zyklen auf Wikipedia sagt übrigens ganz Ähnliches aus, indem er die beiden erstgenannten Punkte als potentielle Technologieschübe des 21. Jahrhunderts benennt: http://de.wikipedia.org/wiki/Kondratjew-Zyklen#Einteilung_der_.C3.B6konomischen_Entwicklung_in_Kondratjew-Zyklen
Interessanterweise wird Energiegewinnung also immer auf Kernfusion beruhen (abgesehen von der Geothermie, also Erdwärme), da selbige ja auch in der Sonne abläuft, und die wiederum sorgt für Winde, Meeresströmungen, Solarstrahlung und die Entstehung von Biomasse.
Das in der Geschichte beschriebene Szenario wäre also dem Punkt 2 zuzuordnen, wobei die Umsetzung recht menschenverachtend klingt. Über die technische Realisierbarkeit und die Rentabilität des Projekts braucht man denke ich nicht groß diskutieren. Ich halte es jedenfalls für unwahrscheinlich. Aber dessen ist sich der Autor bestimmt bewusst, es soll ja auch eine SciFi-Geschichte sein.