Es wird bestimmt jeder mitgekriegt haben, dass Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus am Neujahrsmorgen einen schweren Skiunfall hatte. Dort stieß er bei einer Abfahrt an einer Kreizung zweier Pisten mit eienr Frau zusammen. Althaus trug einen Helm, die Frau hingegen nicht. Beide werden relativ schnell ins Krankenhaus gebracht, die Frau jedoch stirbt leider im Rettungshubschrauber, Althaus lag bis heute, Freitag, im künstlichen Koma und wurde heute geweckt, die Ärzte sind zuversichtlich, dass er wieder voll gesund wird.
Soweit so gut, für Herrn Althaus. Tragisch für die verstorbene 41-jährige Slowakin, Mutter von vier Kindern.
Meiner Meinung nach jedoch gut und schade nicht nur aus diesem offensichtlichen Grund, dass er überlebt hat, und sie nicht (inwieweit sie selbst nachlässig gehandelt hat indem sie ohne Helm unterwegs war, möchte ich nicht beurteilen), sondern mich irritiert, dass ich seit drei Tagen in meinen Nachrichten-Feeds immer wieder über Herrn Althausens Gesundheitszustand höre, und zwar gefühlte zwei Meldungen pro Tag. Über die Frau hört man nichts. Vielmehr, in jeder Meldung wird sie mit einem, vielleicht auch mit zwei Sätzen erwähnt. Einzig die taz widmet ihr ein paar mehr Zeilen und geht ein wenig auf sie als Person ein, schildert ihre Lebensumstände ein wenig genauer.
“Politiker reagieren betroffen” und natürlich drücken sie auch, politisch korrekt, ihr Mitgefühl der Familie der verstorbenen Frau aus. Toll.
Herr Althaus weiß noch nicht, dass die Frau, mit der er seinen Unfall hatte, gestorben ist. Ich bin gespannt, wie er reagiert.
Wie konnte es dazu kommen? fragt die FAZ
Ich bin aber auch gespannt, was die Polizei bei ihren Ermittlungen zum Unfallhergang ermitteln will. Frage ich mich allgemein öfter. Beide waren, aufgrund ihrer Erfahrung ein wenig zu schnell unterwegs, okay, das ist nichts schlimmes, das macht jeder mal, Alkohol im Blut hatten sie auch nicht und an einer Kreuzung, an der, wie auf Skipisten üblich nicht “Rechts vor Links” gilt, konnten sie dann natürlich beide nicht mehr schnell genug bremen oder ausweichen. Was will man da noch groß ermitteln? Ich finde, dieser Unfallhergang reicht vollkommen aus. Es war ein Unfall.
Es gibt noch mehr genaue Definitionen… Bergunfall, Sportunfall, Verkehsunfall,…
Aber mir geht es nicht um den Unfall an sich. Sowas passiert. “Sport ist Mord!”, das weiß jeder.
Mir geht es nur um die polarisierte Berichterstattung, die es darüber gibt. Dass man immer nur die Schlagzeilen über den Politiker liest. Natürlich, er ist ja auch eine “berühmte Person des öffentlichen Lebens”. Und außerdem (!) ist ja dieses Jahr das “große Wahlkampfjahr”! Und natürlich bringt der Unfall enorm viele Sympathiepunkte! Prima, also macht die CDU dieses Jahr Wahlkampf, für den ein Mensch gestorben ist.
Einzig die taz scheint das auch zu bemerken und gönnt der verstorbenen Beata Ch. ein paar mehr Zeilen und schreibt auch in ihrer Schlagzeile “[...] Der politische Patient”.
Ich finde das nicht gut. Wie seht ihr das?
…geht den Bach runter…moralisch ist von der Medienseite sicherlich die Schmerzgrenze erreicht, doch durch die sich immer schneller und weiterentwickelnden Kommunikationsmöglichkeiten wird sie sicherlich auch weiterhin überschritten, solange mit Sensationsmeldungen viel Geld zu verdienen ist und der Konsument sich von solchen Meldungen beeindrucken läßt. Die Nachfrage bestimmt leider auch das Angebot und der Mensch dürstet wohl nach sowas.
Natürlich, aber genau dieses Denken seitens der Medien finde ich ja … schade. Deshalb zählt das für mich in die Kategorie “Unsere Gesellschaft geht den Bach runter…”
Iss doch logo, das der Herr Prominente mehr Aufmerksamkeit bekommt, das iss Medienwirksam und beschäftigt den Leser, wen interessiert schon eine Beata CH. aus x, die obendrein auch noch verstorben ist.
Für die Medien gilt doch nur, wie gut eine Meldung zu vermarkten ist.
Das der verunfallten Frau und ihrer Familie eigentlich mehr Aufmerksamkeit gebührt, da sie das erheblich schwerere Schicksal zu meistern haben spielt hierbei leider keine Rolle und man kann der Familie nur gute Freunde wünschen, die ihnen in der schweren Zeit hilft und unterstützt.
Den Herrn Althaus hats ja auch schwer erwischt und Medien hin oder her,
es war ein tragischer Unfall, wie er sich in den Wintersportgebieten sicherlich häufiger ereignet, diesen haben wir halt mitbekommen, weil ein “prominenter” darin verwickelt war, alle anderen mit Ottonormalbürgern
geschehen einfach ohne großes Publikum.
Ich bin kein Wintersportfan und wenn ich sowas mitbekomme weiß ich auch warum,
Alla dann…
Na, er hat jetzt eine große Medienpräsenz, und sei sie auch unfreiwillig!
Und die hält natürlich nach, da denken sich die Leute dann bei der Wahl in Thüringen, ach, der Althaus, das war doch der Skifahrer. Wiedererkennungswert. Und natürlich haben die Leute Mitleid mit ihm jetzt! Er lag immerhin im Koma. Also ich kann die medienpsychologische Seite durchaus vefrstehen.
Vielleicht ist Sympathie das falsche Wort, Wiedererkennungswert trifft es eher.
Und bestimmt gibt es Leute, die dieses klassiche Täter-Opfer-Modell hier unterbewusst anwenden. Denn schließlich kann der bekannte Politiker unmöglich Schuld sein!!
Inwiefern macht ihn der Unfall denn sympathisch? Althaus ist ja Opfer eines unverschuldeten Unfalls und nicht eines Verbrechens! Die beiden Unfallbeteiligten nehmen ja keine klassischen Täter- und Opferrollen ein.
Wenn du sowas von Mannichl behaupten würdest, könnte ich es eher verstehen…