17.12.2005
Als er aus der Tür trat, kam ihm ein Schwall Schneeflocken entgegen. Es schneite schon den ganzen Tag. Auf der Treppe war der ganze Schnee schon zertreten und matschig braun, aber auf dem Rasen lag er noch schön als geschlossene Decke. An einigen Stellen ragten Grashalme trotzig aus dem Schnee heraus.
Unter einem der Bäume stand sie, ihren wunderschönen Körper mit einem schwarzen Mantel bedeckt. Ihre langen blonden Haare, die unter der roten Mütze hervor schauten, waren nass und zerzaust. Überall auf ihr lagen vereinzelt Schneeflocken herum.
Er ging zu ihr und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Dann hakte sie sich beim ihm ein und sie gingen langsam in Richtung Park. Es war recht kalt und so schmiegte sie sich eng an ihn. Ihr beider Atem stieg als weißer Rauch durch das Schneegestöber zum Himmel.
Auf der großen Wiese lag der Schnee noch in unberührter Schönheit und auch die Bäume waren weiß. An der einzelnen Tanne, die zwischen Birken und Kiefern stand, hing eine Lichterkette und tauchte den Boden ringsum in ein majestätisches Leuchten.
“Ich liebe Schnee!”, sagte sie fröhlich. Er blieb stehen, bückte sich, schob mit den Händen ein wenig Schnee zusammen, formte daraus einen Schneeball und warf in zwischen seinen Beinen hindurch auf sie. Sie reagierte blitzschnell, indem sie sich nach links beugte und so flog der Schneeball in die Büsche. Während er noch das Gebüsch betrachtete, in dem der Schnee jetzt aufgerüttelt war und empört zu Boden schwebte, hatte sie eine Handvoll Schnee genommen und diese drückte sie ihm jetzt mitten ins Gesicht. Mit aller Kraft hielt sie ihm ihren vereisten Handschuh ins Gesicht und verteilte den kalten Schnee überall.
Es war kalt und nass. Er schüttelte sich und wischte sich den Schnee aus dem Gesicht. Als er sich auch den Schnee von den Augenlidern gewischt hatte, macht er die Augen wieder auf und blickte direkt in ihre. Sie stand ganz nah bei ihm und hauchte ihm zärtlich warme Luft ins Gesicht. Sie küssten sich lange. So lange bis ihm wieder warm war.
Sie hakte sich wieder ein und sie gingen weiter. Sie redeten über ihr letztes Weihnachten. Mit dem Gedanken an frisch gebackene Plätzchen und heißen Tee kamen sie zurück in sein Zimmer. Im Vergleich zu draußen kam es ihr fast wie in der Sauna vor, sie ging zum Fenster und stellte sich nah an die heiße Heizung. Vor dem Fenster fiel immer mehr Schnee zu Boden. Er hatte währenddessen heißes Wasser geholt und Tee gemacht. Dann zogen sie ihre nassen Jacken, Mützen und Schuhe aus und kuschelten sich auf dem Bett eng aneinander.
Mit der Zeit wurden seine Finger wieder warm und er fing an, ihr den Rücken zu streicheln. Sie fuhr mit ihrer Hand durch seine Haare. Wieder küssten sie sich. Er strich mit seiner Zunge sanft über ihre Wange und ihr Ohrläppchen. Von dieser intensiven, kitzelnden Berührung musste sie unfreiwillig kichern. Er ließ sich davon nicht irritierend und machte weiter. Er ließ seine Zunge auch an ihrem Hals entlang streichen.
Das Kribbeln, das er damit in ihr auslöste war so stark, sie konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie erschauerte, als dieses unglaubliche Gefühl ihren Hals entlang zum Ohr wanderte. Mit ihrem Arm, der auf ihren Schultern lag zog sie ihn noch enger an sich.
Er hörte, wie ihr Atem schneller wurde und hörte kurz auf, mit seiner Zunge ihr Ohr zu bearbeiten. Er schaute sie an und sah, wie in ihrem wunderschönen Gesicht eine einzelne Träne herum rollte. “Was ist denn? Gefällt’s dir nich?”, fragte er sie, doch sie schüttelte den Kopf und sah ihn an. “Es ist nur so unglaublich schön, hör bitte nie mehr auf!”, flüsterte sie. “Und außerdem ist mir grade klar geworden, wie sehr ich dich liebe!”
Vor dem Fenster konnte man wegen des vielen Schnees fast nichts mehr sehen.
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